Jobvermittlung für Akademiker? Leider ja.

Seit Beendigung meines Bachelor Studiums an der Hochschule vor sechs Monaten bin ich auf der Suche nach einer Stelle, doch jeder Versuch, einen passenden Job in meinem Fachbereich zu finden, scheiterte bis lang kläglich.

Ich konnte mir nie vorstellen, dass ich einmal das Angebot Jobvermittlung in Anspruch nehmen müsste – schließlich bin doch ich als fertiger Ingenieur ein wirklich guter Bewerber und zudem hochqualifiziert mit meinem Abschluss an der RWTH Aachen. Und dennoch: kein Unternehmen in NRW, bei dem ich mich beworben habe, entgegnete mir positiv auf meine Bewerbungen. Entweder waren alle Stellen besetzt oder meine Qualifikationen waren irgendwie nicht passend auf die freie Stelle. Nach bald auftretender Verzweiflung entschied ich mich zu einer neuen Herangehensweise in Sachen Jobs: Ich lasse mich vermitteln!

Jobvermittlung fuer Akademiker

 

Zeitarbeit – nicht nur für Ungelernte

Bei meiner Jobsuche im Internet stieß ich immer öfter auf Stellenangebote bzw. Angebote von Personalvermittlern, also Zeitarbeit Unternehmen.

nicht nur fuer Ungelernte

 

Zunächst fanden die Werbeanzeigen keinen Anklang bei mir. Doch bald fiel mir auf, dass oft von Jobvermittlung die Rede war, die angeblich auch Akademiker betrifft. Ich recherchierte zum Thema Personaldienstleister, Zeitarbeit und Jobvermittlung, bzw. Personalvermittlung durch HR Consulting und war echt überrascht, was alles abgedeckt wird. Bei mir hatten Personaldienstleister kein gutes Image um ehrlich zu sein. Ich dachte dabei immer an Ausbeutung und an ungelernte Kräfte, die keine andere Wahl hätten. Doch in den letzten Jahren, so scheint es, ist die Jobvermittlung über Zeitarbeitsfirmen zu einem immer wichtiger werdenden Sektor auf dem Arbeitsmarkt geworden. Manche sprechen sogar vom Arbeitsmodell der Zukunft. Angesichts dessen ist es logisch, dass auch Facharbeiter und Akademiker wie ich interessant sind für die Branche der Vermittler.

 

Die Zukunft der Arbeit ist projektbezogen

In Zukunft setzen große Unternehmen weniger auf Festanstellungen, dafür vermehrt auf temporäre Personal Ressourcen.

Die Zukunft der Arbeit ist projektbezogen

 

Denn die Auftragslagen sind teilweise instabil und die Arbeit kann stark variieren. Deshalb macht es Sinn, dass Arbeitgeber Mitarbeiter heranziehen, wenn beispielweise Großaufträge anstehen. Jedes Projekt benötigt unterschiedliche Arbeitskräfte. Auch für Ingenieure bedeutet das, in Zukunft von Firmen hinzugezogen zu werden, wenn ihre Kompetenzen gefragt sind. Das hat Vor- und Nachtteile, doch für mich klingt diese Art der Arbeitsverteilung grundsätzlich nicht unattraktiv. Projektbezogen zu arbeiten bedeutet für mich, dass ich mich stets weiterbilden und von den Erfahrungen anderer Fachkräfte innerhalb der verschiedenen Aufträge profitieren kann. So gesehen hat man die Chance, alle paar Monate oder Wochen, je nach Aufwand des Jobs, neue Menschen kennenzulernen und das eigene Know-How zu erweitern. Das Risiko, bei schlechter Auftragslage kein Geld zu haben, ist quasi nicht gegeben, denn als Zeitarbeiter ist man festangestellt im Personaldienstleister Unternehmen und bekommt von diesem auch sein regelmäßiges Gehalt.

Wie verläuft die Jobvermittlung?

Der Arbeitgeber ist die Zeitarbeitsfirma bei der Zeitarbeitnehmer meist unbefristet aber in jedem Fall sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind.

Von dort erhalten sie ihr Gehalt und auch die festgelegten Urlaubstage (mindestens 22). Die Kundenunternehmen, auch Entleihbetriebe genannt, wenden sich an den Personaldienstleister und bekommen passendes Fach-/ Personal zugewiesen. Der Entleihbetrieb gibt dann die entsprechenden Arbeitsanweisungen an den geliehenen Mitarbeiter. Je nach Grund der zu entleihenden Personal Ressource kann die Dauer der jeweiligen Zeitarbeit stark variieren: So können Krankheits- oder Mutterschaftsvertretungen kurzfristig beginnen und wieder enden. Manche Projektarbeiten wie etwa Großaufträge im Ingenieurswesen können jedoch durchaus länger dauern ­– Wochen aber auch Monate. Ich habe gelesen, dass einige „Zeitarbeiter“ sogar über Jahre im selben Entleihbetrieb an einem Auftrag arbeiteten. In vielen Fällen verläuft eine Jobvermittlung so gut, dass der Kunde einen Zeitarbeiter übernehmen möchte. Das stellt in den meisten Fällen kein Problem dar. Der Arbeitsvertrag mit der Personalvermittlung wird ordentlich gekündigt und endet. Sollte die eigene Karriere als Zeitarbeiter weitergehen, sind die Verdienstmöglichkeiten sehr unterschiedlich.

Wie verlaeuft die Jobvermittlung

 

Grundsätzlich müssen Leiharbeiter genauso bezahlt werden, wie die festangestellten Mitarbeiter im Kundenunternehmen, die vergleichbare Tätigkeiten ausüben. Die Branche spricht von sogenanntem „Equal Pay“. In der Praxis sieht es jedoch so aus, dass insbesondere bei ungelernten Kräften eigene Tarifverträge für Leih- und Zeitarbeit vereinbart werden. Der Mindestlohn für Leih-  und Zeitarbeit beträgt laut Deutschem Gewerkschaftsverbund ab April 2018 9,49 Euro (in den „neuen“ Bundesländern 9,27 Euro). Beschäftigte im Elektrohandwerk erhalten bundesweit 10,95 Euro und selbst ungelernte Maler bekommen ab Mai 10,60 Euro.

 

Ingenieure auf Jobsuche – es wimmelt vor Angeboten

Laut Angaben landen über 10% aller Studierende, die einen ingenieurwissenschaftlichen Abschluss machen, in Zeitarbeit. Mich persönlich wundert das verständlicherweise überhaupt nicht. Ich selbst habe über ein halbes Jahr lang nach erfolgreich bestandenem Abschluss an der RWTH Aachen keine Festanstellung gefunden.

Und trotzdem: Wirtschaftsverbände klagen über zu wenig Fachkräfte in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen, während mehr als 40.000 Ingenieure, Techniker und Chemiker laut Bundesagentur für Arbeit bei Personaldienstleistern beschäftigt sind. Die Jobvermittlung an Ingenieurstellen wird zu einem Großteil von Leiharbeitsfirmen übernommen. Auf Karriere Portalen und Jobbörsen wimmelt es nur so von Angeboten der Personalverleiher. Die 10% der fertigen Ingenieure, die wie ich nach Beendigung ihres Studiums in Leiharbeitsfirmen landen, sind nur ein Teil aller Beschäftigten, die ihren Job nicht in der Stammbelegschaft finden. Zudem gibt es bundesweit immer mehr Absolventen, die bei Entwicklungs- oder Ingenieurdienstleistern anfangen. Junge Maschinenbauer sind oft über „Body Leasing“ in den Forschungs-Bereichen der Unternehmen beschäftigt. Die Gefahr ist groß, dass meine Kollegen und ich nicht von der „Equal Pay“ Regelung profitieren, da sich die Verleihbetriebe durch den hohen Druck auf Werkverträge einlassen.

Ingenieure auf Jobsuche

 

Was bedeutet das für mich?

Ich habe mich dazu entschieden, mich auf das Abenteuer Jobvermittlung einzulassen und bei einem Personaldienstleister Kontakt aufzunehmen. Mein Profil ist gut, Noten und Qualifizierung stimmen – darum hoffe ich sehr, dass ich erfolgreich Jobs vermittelt bekommen werde, um an vielen spannenden Projekten mitwirken zu können.

7 Jahre Studium an einer der renommiertesten Hochschulen für Maschinenbau Deutschlands sollen sich endlich auszahlen. Ich will mich nicht weiter rund um die Uhr um meine Zukunft sorgen und nehme deshalb den Service der Vermittlung von Jobs gerne an. Und wenn alles gut läuft, wirkt bei mir der „Klebeeffekt“ und ein Entleihbetrieb schätzt meine Arbeit so sehr, dass er mich festanstellen will. Hauptsache, die Jobsuche hat vorrübergehend ein Ende. Wünscht mir Glück!

 

 

 

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